EBENE 9 ist ein deutsches Kinderbuch für 10- bis 12-Jährige im Genre Mystery/Coming-of-Age, in dem ein Elfjähriger durch eine Schul-App die verdrängten Gefühle seiner Mitschüler als Wörter über ihren Köpfen sieht – und ein geheimer Raum in der Schule ihn zwingt, ehrlich zu sich selbst zu sein, bevor er ihn wieder rauslässt.
Dieses Konzept verbindet spannende Unterhaltung mit einem gesellschaftlich hochrelevanten Thema: emotionale Intelligenz, mentale Gesundheit und Ehrlichkeit bei Kindern.
Veröffentlichung April 2026 – über BoD

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Mein Kinderbuch hat ab heute zwei Hauptfiguren.
Bis heute Morgen hatte die Geschichte einen Protagonisten. Einen Jungen, zehn Jahre alt, der sich hinter Witzen versteckt und Fliesen zählt, wenn es eng wird. Sieben Kapitel lang hat er alles getragen. Neben ihm stand ein Mädchen, elf, still, kontrolliert, immer die mit der hochgezogenen Augenbraue statt einer Antwort. Sie wurde in Kapitel 5 beiläufig Komplizin. Die, die alles checkt und wenig sagt.
Und genau das war das Problem.
Die Figur funktionierte, das schon. Sie hatte gute Sätze, scharfe Beobachtungen und ein paar Momente, die sitzen. Aber wenn ich genau hinschaute, bediente sie seine Geschichte: Sie brachte Hinweise und blieb ruhig und wartete, bis er bereit war. Sie hatte kein eigenes Problem, keinen eigenen Fehler, keine eigene Angst. Der beste Freund hatte das alles. Ihn kennt der Leser nach sieben Kapiteln. Sie beobachtet er nur durch die Augen des Jungen, und das reichte nicht.
Also habe ich heute aufgehört, am nächsten Kapitel weiterzuschreiben, und mich hingesetzt und gefragt: Wer ist dieses Mädchen wirklich? Nicht als Figur auf einem Datenblatt sondern als Mensch.
Was dabei rauskam: Sie ist das Kind, das zu Hause nicht Kind sein darf. Nicht weil es ihr jemand sagt. Sondern weil sie sieht, dass es sonst keiner macht. Jemand muss an die Sportsachen des kleinen Bruders denken. Jemand muss leise sein, wenn Mama schläft. Und irgendwann ist „jemand" immer sie.
Im Buch wird das nie erklärt. Es gibt keine Diagnosen, keine Rückblenden und keine Szene, in der jemand am Küchentisch weint. Alles zeigt sich nur durch das, was sie tut und was sie weglässt. Sie sagt nie „meine Mama sagt." Sie sagt „ich muss noch." Ein erwachsener Leser versteht sofort. Ein Kind versteht: Die hat es zu Hause nicht leicht und macht trotzdem alles allein.
Ich habe mir und dem Buch eine Grenze gesetzt: Sie ist kein Opfer. Sie ist stark, klug und kompetent. Das Problem ist nicht, dass sie schwach ist. Das Problem ist, dass sie zu stark sein muss. Ein zehnjähriges Mädchen soll beim Lesen denken: Das kenne ich. Die sein, die immer an alles denkt, und keiner fragt, ob es ihr gut geht.
Und dann war mir klar, sie bekommt in Band 2 einen eigenen Weg durch die Geschichte, nicht denselben wie der Junge, nur mit anderem Namen, sondern einen, der nur ihr gehört. Er muss lernen, ehrlich zu sein, etwas auszusprechen, das er lieber verschweigen würde. Sie muss lernen, loszulassen und zuzulassen, dass etwas passiert, das sie nicht kontrollieren kann. Zwei verschiedene Geschichten, die sich gleich schwer und mutig anfühlen.
Warum war es mir wichtig, das heute zu machen und nicht irgendwann? Band 1 steckt gerade in den letzten Kapiteln, und jeder Satz, den sie in diesen Kapiteln sagt, muss schon den Samen tragen für das, was sie in Band 2 wird. Hätte ich ihre wichtige Rolle für meine Leserinnen erst beim Schreiben von Band 2 gemerkt, hätte ich Band 1 nochmal aufmachen müssen. So kann ich die letzten Kapitel so schreiben, dass ihre Momente darin nicht zufällig wirken, sondern wie etwas, das schon immer da war und nur darauf gewartet hat, dass jemand genauer hinschaut.
Der letzte Satz in ihrem Profil: Nichts brauchen ist nicht stark. Es ist nur leise.
Das ist der Satz, den ich geschrieben habe, weil ich ihn selbst mal hätte hören müssen.